Ätherische Öle und Babys: was sicher ist und was nicht
Ein Tropfen Lavendel aufs Kissen, Eukalyptus bei Schnupfen – bei Erwachsenen unbedenklich, bei Säuglingen nicht. Die Regeln, die in meinen Kursen gelten, und die Begründung dahinter.
Kaum ein Thema wird in Elterngruppen so unbekümmert geteilt wie ätherische Öle: ein Tropfen Lavendel aufs Kissen, Eukalyptus in die Duftlampe bei Schnupfen, ein Erkältungsbalsam auf die Brust. Vieles davon ist bei Erwachsenen unbedenklich. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist es das nicht.
Hier die Regeln, die in meinen Kursen gelten – und warum.
Warum Babys anders reagieren
Die Haut eines Neugeborenen ist dünner, die Hornschicht weniger ausgebildet, und das Verhältnis von Körperoberfläche zu Körpergewicht ist deutlich größer als bei Erwachsenen. Dieselbe Menge Öl führt also zu einer viel höheren Aufnahme pro Kilogramm. Gleichzeitig sind die Entgiftungswege in der Leber in den ersten Lebensmonaten noch nicht ausgereift.
Dazu kommt die Atmung: Säuglinge atmen überwiegend durch die Nase und haben enge Atemwege. Schon eine leichte Schleimhautreizung kann die Atemarbeit spürbar erhöhen.
Die Öle, die bei kleinen Kindern nichts zu suchen haben
Eukalyptus, Rosmarin, Cajeput, Niauli – sie enthalten hohe Anteile 1,8-Cineol. Bei Säuglingen und Kleinkindern kann Cineol im Bereich von Nase und Gesicht einen Kehlkopfkrampf oder Atemstillstand auslösen. Das ist kein theoretisches Risiko, sondern in der Literatur beschrieben und der Grund, warum entsprechende Erkältungspräparate Altersbeschränkungen tragen.
Pfefferminze – Menthol wirkt ähnlich. Nicht ins Gesicht, nicht in die Nähe der Atemwege, nicht in den Diffuser, wenn ein Säugling im Raum ist.
Kampfer, Thymian Thymol-Typ, Oregano, Zimtrinde, Nelke – stark hautreizend beziehungsweise schleimhautreizend. Nicht bei Kindern.
Teebaum – oft als harmlos gehandelt. Er oxidiert schnell und wird dann deutlich hautreizender. Für Babys nicht nötig und nicht empfehlenswert.
Was möglich ist – und in welcher Dosierung
Unter 3 Monaten: kein ätherisches Öl auf die Haut. Für die Massage genügt ein fettes Öl ohne Duft – Mandel-, Sonnenblumen- oder Sesamöl in Lebensmittelqualität. Bei bekannter Nussallergie in der Familie kein Mandelöl.
Ab 3 Monaten: maximal 0,5 Prozent Verdünnung. Das ist ein Tropfen auf 10 ml Trägeröl – nicht mehr. Geeignet sind milde Öle wie echter Lavendel (Lavandula angustifolia), römische Kamille oder Mandarine rot.
Ab 3 Jahren: 0,5 bis 1 Prozent, also 1 bis 2 Tropfen auf 10 ml.
Ein Tropfen ist übrigens keine exakte Einheit: Je nach Öl und Tropfeinsatz liegt er zwischen 20 und 50 Mikrolitern. Wer genau arbeiten will, wiegt aus.
Raumbeduftung
Ein Diffuser ist keine „mildere" Anwendung – über die Atemwege kommt der Stoff sogar direkter an. Wenn überhaupt:
- nicht im Schlafzimmer des Babys,
- nicht im geschlossenen Raum,
- kurz (15 bis 20 Minuten), nicht dauerhaft,
- dem Kind immer einen duftfreien Raum lassen,
- bei Asthma in der Familie besser gar nicht.
Und die Katze
Katzen fehlt weitgehend die Glucuronidierung in der Leber – ein Abbauweg, über den Terpene ausgeschieden werden. Teebaum, Zitrusöle, Pfefferminze und Kiefer können bei Katzen zu Vergiftungen führen, auch über die Raumluft und über das Fell beim Putzen. Wenn eine Katze im Haushalt lebt, gilt dasselbe wie beim Baby: sparsam, kurz, gut lüften, Rückzugsraum ohne Duft.
Im Notfall
Ätherisches Öl ins Auge: mit fettem Öl (nicht Wasser) ausspülen, dann ärztlich abklären lassen. Verschluckt: nicht zum Erbrechen bringen, sofort den Giftnotruf anrufen. Die Nummer der zuständigen Giftinformationszentrale sollte im Haushalt mit kleinen Kindern am Kühlschrank hängen.
Das Fazit, das niemand gerne hört
Für Babys braucht man keine ätherischen Öle. Berührung wirkt, Wärme wirkt, Ruhe wirkt. Das fette Trägeröl allein reicht vollkommen. Ätherische Öle sind ein zusätzliches Angebot für die Erwachsenen im Raum – und dort sind sie gut aufgehoben.
Über die Autorin
Janine Möller-Werner
Gründerin, Gesundheits- und Krankenpflegerin, Dozentin
Gesundheits- und Krankenpflegerin, Praxisanleiterin und Dozentin. Begleitet seit über zehn Jahren Pflege- und Gesundheitsberufe – und Familien im ersten Lebensjahr.
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